Wenn die Stadt dichter wird: Warum das Überschwemmungsrisiko steigt

Wenn die Stadt dichter wird: Warum das Überschwemmungsrisiko steigt

Wenn Städte wachsen und neue Wohnungen, Straßen und Parkplätze entstehen, verändert sich nicht nur das Stadtbild – auch der natürliche Weg des Wassers durch die Landschaft wird unterbrochen. Wo Regenwasser früher in den Boden versickern konnte, fließt es heute oft direkt in die Kanalisation. Das erhöht das Risiko von Überschwemmungen, besonders bei Starkregen. Doch warum ist das so – und was kann dagegen getan werden?
Von grünen Flächen zu grauen Oberflächen
Verdichtung bedeutet, dass mehr Menschen auf weniger Raum leben und arbeiten. Dafür braucht es mehr Gebäude, Straßen und versiegelte Flächen – und weniger Grün. Wenn der Boden mit Asphalt, Beton oder Pflastersteinen bedeckt ist, verliert er seine Fähigkeit, Regenwasser aufzunehmen. Stattdessen fließt das Wasser schnell in die Kanalisation, die in vielen deutschen Städten ohnehin an ihre Grenzen stößt.
Ein einziger Starkregen kann dann ausreichen, um die Kanalisation zu überlasten. Das Wasser drückt sich durch Gullys, läuft in Keller und überflutet tieferliegende Straßen. Städte wie Köln, Dortmund oder Dresden haben in den letzten Jahren bereits erlebt, wie heftig solche Ereignisse ausfallen können.
Klimawandel verschärft die Lage
Parallel zur Verdichtung verändert sich auch das Klima. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) rechnet mit häufigeren und intensiveren Starkregenereignissen in den kommenden Jahrzehnten. Viele Kanalsysteme wurden jedoch nach älteren Niederschlagsdaten dimensioniert und sind auf solche Wassermengen nicht vorbereitet.
Wenn große Regenmengen in kurzer Zeit fallen, zeigt sich der Unterschied zwischen natürlichen und versiegelten Flächen besonders deutlich. In der Natur kann der Boden Wasser aufnehmen und speichern, in der Stadt dagegen fließt es rasch ab – und Überschwemmungen entstehen.
Kanalisation unter Druck
In vielen deutschen Städten gibt es noch sogenannte Mischsysteme, in denen Regen- und Schmutzwasser gemeinsam abgeleitet werden. Bei Starkregen kann die Kapazität dieser Systeme schnell überschritten werden. Dann gelangt Abwasser auf Straßen oder in Keller – ein hygienisches und finanzielles Problem.
Kommunen und Wasserbetriebe arbeiten daran, Regen- und Schmutzwasser zu trennen, doch das ist ein langfristiges und teures Unterfangen. Deshalb braucht es zusätzlich lokale Lösungen, die das System entlasten.
Grüne Lösungen für die Stadt
Eine der wirksamsten Strategien gegen urbane Überschwemmungen ist, dem Wasser wieder Raum zu geben – auch in dicht bebauten Gebieten. Das geschieht durch sogenannte dezentrale Regenwasserbewirtschaftung, bei der das Wasser dort zurückgehalten oder versickert wird, wo es fällt.
Beispiele für solche Maßnahmen sind:
- Regen- oder Versickerungsbeete, in denen Wasser gesammelt und langsam in den Boden geleitet wird.
- Gründächer, die Regen aufnehmen und verzögert abgeben.
- Pflaster mit hoher Durchlässigkeit, die Wasser versickern lassen.
- Rückhaltebecken oder Stadtparks, die bei Starkregen als temporäre Speicher dienen.
Diese Lösungen machen Städte nicht nur widerstandsfähiger gegen Regen, sondern auch lebenswerter und grüner.
Was Hauseigentümer tun können
Auch Privatpersonen können dazu beitragen, das Risiko zu verringern. Zum Beispiel, indem sie:
- Dachwasser vom Kanal abkoppeln und in einer Zisterne oder einem Versickerungsbeet sammeln.
- Undurchlässige Flächen im Garten durch Kies oder Rasengittersteine ersetzen.
- Regenwasser zur Gartenbewässerung nutzen.
- Dachrinnen und Abläufe regelmäßig reinigen, damit das Wasser ungehindert abfließen kann.
Solche Maßnahmen schützen nicht nur das eigene Grundstück, sondern entlasten auch die städtische Infrastruktur.
Eine neue Sicht auf Stadtplanung
Wenn Städte wachsen, muss Wasser von Anfang an in die Planung einbezogen werden. Es geht nicht nur um Rohre und Pumpen, sondern um ein neues Verständnis von Stadt: eine Stadt, die mit Wasser leben kann, statt gegen es zu kämpfen.
Das erfordert Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Stadtplanern, Ingenieuren und Bürgerinnen und Bürgern. Doch es bietet auch Chancen – für grünere, kühlere und nachhaltigere Städte, in denen Wasser nicht als Bedrohung, sondern als wertvolle Ressource verstanden wird.













