Gründächer und Versickerung – kombinieren Sie die Lösungen für ein effektives Wassermanagement

Gründächer und Versickerung – kombinieren Sie die Lösungen für ein effektives Wassermanagement

Der Klimawandel führt auch in Deutschland zu häufigeren und intensiveren Starkregenereignissen. Viele städtische Entwässerungssysteme stoßen dabei an ihre Grenzen. Deshalb wächst das Interesse an dezentralen Lösungen, die Regenwasser dort zurückhalten, wo es anfällt. Gründächer und Versickerungsanlagen spielen dabei eine zentrale Rolle. In Kombination bieten sie eine besonders effiziente, nachhaltige und ästhetische Form des Regenwassermanagements.
Gründächer – Natur auf dem Dach und Entlastung für die Kanalisation
Ein Gründach ist weit mehr als ein optischer Gewinn. Es wirkt wie ein kleines Ökosystem, das Regenwasser aufnimmt, speichert und verzögert abgibt. Je nach Aufbau und Bepflanzung können Gründächer bis zu 50–80 % des jährlichen Niederschlags zurückhalten.
Man unterscheidet zwei Haupttypen:
- Extensive Gründächer – leichte Konstruktionen mit dünner Substratschicht und robusten, trockenheitsverträglichen Pflanzen wie Sedum oder Moosen. Sie sind pflegearm und eignen sich für Dächer mit einer Neigung bis etwa 30 Grad.
- Intensive Gründächer – mit dickerer Substratschicht, die auch Gräser, Sträucher oder kleine Bäume tragen kann. Sie erfordern mehr Pflege, bieten aber Aufenthaltsqualität und fördern die Biodiversität.
Neben der Regenrückhaltung verbessern Gründächer die Wärmedämmung, verlängern die Lebensdauer der Dachabdichtung und tragen zur Abkühlung des Stadtklimas bei, indem sie die städtische Wärmeinselwirkung reduzieren.
Versickerung – Regenwasser zurück in den natürlichen Kreislauf
Während Gründächer das Wasser auf der Oberfläche zurückhalten, sorgen Versickerungssysteme dafür, dass überschüssiges Wasser wieder in den Boden gelangt. Dies kann über Rigolen, Mulden-Rigolen-Systeme oder versickerungsfähige Beläge geschehen, die das Wasser in den Untergrund leiten, anstatt es in die Kanalisation abzuführen.
Eine Rigole ist ein unterirdischer Speicher, in dem Regenwasser gesammelt und langsam in den Boden abgegeben wird. Eine Mulde oder ein Regenbeet ist eine bepflanzte Vertiefung, die sowohl Trockenheit als auch zeitweilige Überflutung verträgt – funktional und zugleich gestalterisch ansprechend. Durch die lokale Versickerung wird das Grundwasser neu gebildet, und die Gefahr von Überflutungen in tiefer gelegenen Gebieten sinkt.
Die stärkste Lösung: Kombination von Gründach und Versickerung
Die Kombination beider Systeme bietet eine doppelte Wirkung. Das Gründach speichert und verzögert den Abfluss eines großen Teils des Regenwassers, während der Rest kontrolliert zur Versickerung auf dem Grundstück weitergeleitet wird. So wird das Regenwasser optimal genutzt, und die Kanalisation bleibt auch bei Starkregen entlastet.
Ein typischer Ablauf sieht so aus:
- Regen fällt auf das Gründach und wird teilweise von den Pflanzen aufgenommen.
- Überschüssiges Wasser fließt über Fallrohre in eine Rigole oder ein Regenbeet.
- Dort versickert es langsam im Boden und wird auf natürliche Weise gefiltert.
Diese Kombination eignet sich besonders für dicht bebaute Stadtgebiete, in denen wenig Platz vorhanden ist und gleichzeitig grüne, lebenswerte Freiräume geschaffen werden sollen.
Worauf Sie achten sollten
Vor der Installation eines Gründachs oder einer Versickerungsanlage sollten einige Punkte geprüft werden:
- Tragfähigkeit des Dachs: Ein Gründach ist schwerer als ein herkömmliches Dach, insbesondere im nassen Zustand. Lassen Sie die Statik von einer Fachperson prüfen.
- Bodenbeschaffenheit: Für eine funktionierende Versickerung muss der Boden ausreichend durchlässig sein. Bei lehmigen Böden sind größere Rigolen oder alternative Lösungen erforderlich.
- Genehmigungen: In vielen Kommunen ist für die Versickerung von Dachwasser eine Genehmigung nötig. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Stadt oder Gemeinde nach den geltenden Vorschriften und möglichen Förderprogrammen.
- Pflege: Gründächer sollten ein- bis zweimal jährlich auf Unkraut und freie Abläufe kontrolliert werden. Regenbeete benötigen gelegentliches Zurückschneiden und das Entfernen von Laub.
Eine Investition in Zukunft und Klima
Die Einrichtung von Gründächern und Versickerungsanlagen erfordert zwar eine Anfangsinvestition, zahlt sich jedoch langfristig aus – ökologisch wie ökonomisch. Sie reduzieren das Risiko von Überschwemmungen, senken die Niederschlagswassergebühr und tragen zu einem grüneren Stadtbild bei. Gleichzeitig schaffen Sie ein angenehmes Mikroklima und erhöhen den Wert Ihrer Immobilie.
Die Kombination von Gründach und Versickerung ist ein Beispiel dafür, wie moderne Klimaanpassung mit Ästhetik und Nachhaltigkeit verbunden werden kann – ein Gewinn für Hausbesitzer, Städte und die Umwelt gleichermaßen.













